3. Plenum des BHFI: Bericht

 

Am Freitag den 6. Oktober tagte das Plenum des Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen (BHFI) in den Räumen des Curio Hauses. Zum dritten Mal fanden sich aktive BHFIler, wie Mitwirkende aus den Arbeitskreisen (AKs), VertreterInnen aus verschiedensten Initiativen sowie Interessierte und Engagierte zusammen, um über die bisherige Arbeit des BHFI sowie dessen Zukunft zu diskutieren und zu entscheiden. Dafür, dass der Abend insgesamt in einer positiven und produktiven Atmosphäre verlief, bedanken wir uns vor allem bei Latifa Kühne, die pro bono für das BHFI moderierte!

Nach dem üblichem akademischen Viertel, Formalia und Begrüßung der ca. 60 anwesenden Engagierten aus der Hamburger Helferszene legte der bisherige SprecherInnenrat (SR) (bestehend aus Khaled Almaani, Hakim Chohbishat, Johanna von Hammerstein, Annika Jähnke, Andreas Kaiser und Jonathan Petzold) Rechenschaft über seine Arbeit seit dem letzten Plenum im Januar 2017 ab. Die SprecherInnen hatten sich in den letzten Monaten mit einer Vielzahl von Themen beschäftigt:

Bereits Ende 2016 begann der SR in Folge der aufgenommenen Abschiebungen nach Afghanistan zusammen mit anderen Initiativen in Hamburg und ganz Deutschland gegen diese Politik laut und öffentlich zu protestieren. Es folgten mehrere Demonstrationen, eine Petition, Pressestatements und -auftritte, Social Media-Information und -Mobilisierung. Ihren Höhe- aber nicht Endpunkt fand die Kampagne mit dem bundesweiten Aktionstag: Abschiebestopp nach Afghanistan und einem offenen Brief an den Bundesinnenminister.

 

Ein großer Erfolg des BHFI nach nicht einmal einjährigem Bestehen war zweifellos die Einrichtung der Hamburger Ombudsstelle für die Flüchtlingsarbeit. Hier beteiligte sich der SR zusammen mit dem maßgeblichen AK Interaktion Hauptamt und Ehrenamt an den Verhandlungen und an der offiziellen Bekanntgabe im Rahmen einer Landespressekonferenz.

Auch über die Hamburger Stadtgrenzen hinaus setzt sich das BHFI für die Rechte von Geflüchteten und Flüchtenden ein. Auf Anregung des AK Flucht und Bleiben ist das Bündnis Mitglied und Partner des Aktionskreises Hamburg hat Platz! geworden. Das BHFI unterstützt dessen Forderung, Hamburg solle (zunächst) 1000 Geflüchtete aus Griechenland aufnehmen. Der SR beteiligte sich unter anderem an Kundgebungen, sowie der Petition, die bislang fast 4600 Menschen unterschrieben haben.

 

Der SR berichtete ebenfalls von der Beteiligung des BHFI an der Kampagne “Hamburg Handelt”, bei der im Vorfeld von G20 verschiedenste Institutionen das vielfältige Engagement in Hamburg sichtbar machten. Neben der Beteiligung an der Kampagne erarbeitete der SR, gemeinsam mit Mitwirkenden aus verschiedenen Arbeitskreisen, eine Stellungnahme zu Flucht und Migration im Rahmen des G20 Gipfels. Außerdem veröffentlichte das BHFI nützliche Informationen für Geflüchtete während der G20 Woche auf verschiedenen Sprachen.

Eine Schlussfolgerung aus den intensiven Diskussionen im Juni 2017 war eindeutig: wir brauchen mehr Raum für ausführliche inhaltliche Auseinandersetzungen. Das BHFI ist sehr heterogen – das ist Stärke und Herausforderung zugleich – und dementsprechend müssen viele grundlegende Themen ausdiskutiert werden. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war eine offene Diskussionsveranstaltung am 20. Juni 2017. Am UN-Weltflüchtlingstag und dem 1. Jahrestag der Gründung des BHFI wurde eingeladen, anhand des Open Space Format ‘drauf los’ zu diskutieren.

Die Ergebnisse des Open Space wurden sowohl per E-Mail und auch im Koordinierungskreis vorgestellt. Einige Forderungen konnte der SR umsetzen – wie z.B. einen Veranstaltungsnewsletter, in dem auch die Angebote der Mitgliedsinitiativen beworben werden können.

Auf den Rechenschaftsbericht folgte die Wahl des SR. Bevor es allerdings zur Vorstellung der neuen KandidatInnen kam, wurde zunächst den ‘Alten’ gedankt, insbesondere den vier, die nicht erneut kandidierten. Andreas Kaiser, Annika Jähnke, Jonathan Petzold und Khaled Almaani wurden durch spontane Redebeiträge aus der Runde für ihren Einsatz und ihre Arbeit gelobt. Und das zu Recht!

Während die Wahlzettel ausgezählt wurden, berichteten die anwesenden AKs von ihrer Arbeit seit dem letzten Plenum. Was zweifellos ist: die Arbeitskreise sind das Herzstück des BHFI!

Der AK Berufliche Integration hat in den vergangenen Monaten insbesondere das laufende Projekt Lebensläufe vorangetrieben. Ziel ist es, mit einem Smartphone optimierten Programm eine Kompetenzerfassung von Geflüchteten auf Jobsuche durchzuführen. Insgesamt sollen 3000 Lebensläufe erstellt werden. Kooperationen mit verschiedenen Firmen laufen bereits.

Als nächstes berichtete der AK Flucht und Bleiben. So wurde auf dem Plenum auch die große Vielfalt der aktiven Arbeitskreise deutlich: während der AK Berufliche Integration über Arbeitsvermittlung berichtete, stellte der AK Flucht und Bleiben ihre Resolution vor, die die kommende Bundesregierung zu einer Politik auffordert, “die dem Selbstverständnis Deutschlands als einer den Menschenrechten verpflichteten Wertegemeinschaft entspricht.” Es folgte eine intensive Diskussion, mit vielen interessanten und durchaus kritischen Redebeiträgen. Schlussendlich wurde die Resolution mit dem Titel “Die Würde des Menschen ist unantastbar! – Deutschlands Würde, Deutschlands Werte” ohne Gegenstimmen verabschiedet.

Der AK Paten und Begleitung und der AK Interaktion Haupt- und Ehrenamt konnten sich in erste Linie über ihre Erfolge freuen – einerseits die Weiterentwicklung einer großen Öffentlichkeitskampagne, die für neue Patenschaften und Tandems begeistern wird und andererseits der Start der Ombudsstelle für die Flüchtlingsarbeit in Hamburg. Aktuell arbeitet der AK Interaktion Haupt- und Ehrenamt an den Rahmenbedingungen des Ehrenamtlichen Engagements in öffentlichen Unterkünften.

Der AK Wohnen wurde im Sommer ‘wiederbelebt’ und arbeitet seitdem ebenfalls sehr intensiv. Angesichts der akuten Bedeutung des Themas Wohnen für viele Geflüchtete sind weitere Mitwirkende sehr erwünscht! Im Mittelpunkt steht vor allem der Wohnungsbau für dringlich Wohnungssuchende. Zudem ist der AK mit Initiativen in verschiedenen Stadtteilen Hamburgs in Kontakt, um ggf. die Zustände in den Unterkünften vor Ort zu untersuchen.

Und dann eine gute Nachricht: der AK Bildung und Sprache möchte neu starten und sucht nach neuen Mitgliedern! Eine Leitung des AK gibt es schon, also wenn Ihr Inputs habt, oder jemanden kennt, der sich für das Thema begeistert, meldet euch per E-Mail (info@bhfi.de) oder per Facebook!

Eine weitere erfreuliche Bekanntmachung folgte mit der einstimmigen Verabschiedung des Strukturpapiers, in dem Aufbau und Arbeitsweise des BHFI festgehalten sind. Das Papier wurde auf dem letzten Plenum vorgestellt und in darauffolgenden Koordinierungskreisen überarbeitet – die endgültige Version könnt Ihr demnächst auf der Homepage unter Veröffentlichungen finden.

Und last but not least… alle sechs Kandidatinnen und Kandidaten wurden in den neuen SprecherInnenrat gewählt! Nachdem das Wahlergebnis verkündet wurde, gab es zum Abschluss noch eine kurze Diskussionsrunde mit den ‘alten’ und ‘neuen’ SprecherInnen. Vieler der angesprochenen Themen wird sich der neue SR annehmen, wie etwa der Frage der Vernetzung von verschiedensten Initiativen innerhalb des Bündnisses.

Eure neuen Sprecherinnen und Sprecher: Hakim Chohbishat, Johanna von Hammerstein, Lilly Murmann, Manfred Ossenbeck, Ralf Groenevald und Sevgi Ünver.

 

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